Krankheit, Mobbing, Verwahrlosung: Wenn Kinder nicht mehr zur Schule gehen, hat das meist sehr vielschichtige Gründe. Gelsenkirchen hat jetzt im Kampf gegen Schulverweigerer einen neuen Leitfaden entwickelt, um chronische Schulschwänzer zurück in die Gesellschaft zu holen.

„Wir möchten den Schülerinnen und Schülern vermitteln, dass wir sie im Blick haben und auf sie achten“, sagte Bildungsdezernentin Anne Heselhaus am Montagnachmittag bei der Vorstellung des Leitfadens „Wir merken, dass Du fehlst!“ in der Gelsenkirchener Volkshochschule. Dabei gehe es in erster Linie darum, den Schülern und ihren Eltern „mehr mit Wertschätzung zu begegnen als mit harten Interventionsmaßnahmen und Strafen“. Botschaft: Du bist uns wichtig, Ihr Kind ist uns wichtig.

War es früher „mehr dem Engagement des Klassenlehrers oder der Schule geschuldet“, so Eva Kleinau von der federführenden Jugendhilfe Schule der Stadt, wie schnell das Fehlen von Schulverweigerern erfasst, gemeldet und entsprechend gegengesteuert wurde, so bietet der Leitfaden nun systematische Handlungsanweisungen. Er beinhaltet einen kurzen Theorieteil, in dem die gesetzlichen Grundlagen, die Ursachen und Formen sowie der sinnvolle Umgang mit Schulabsentismus erläutert wird. In Teil B wird ein Stufenmodell samt Formularen und Anschreiben dargestellt. In Teil C gibt es Hinweise und Vorlagen zum Erfassen von Fehlzeiten.
Das Projekt startet an den Hauptschulen- die Gesamtschulen sollen als Nächstes mit ins Boot geholt werden, aber auch Realschulen und Gymnasien.

Parallel zur Präsentation des Leitfadens haben alle Mitwirkenden zum Umgang mit „Schulabsentismus“ eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Beteiligt sind die vier Gelsenkirchener Hauptschulen sowie das Referat Kinder, Jugend und Familie und die regionale Schulberatungsstelle.

Um zu sehen, zu welchen Ergebnissen der Leitfaden führt und wie groß das Problem der Schulverweigerer ist, sollen erste Ergebnisse nach ein bis zwei Jahren Anwendung zusammengetragen werden, wie Anne Heselhaus ankündigte. Davon verspricht sich die Bildungsdezernentin eine Aussage zum Wirkungsgrad des neuen Leitfadens.

Quelle: WAZ Gelsenkirchen, 08.12.2020

Im InfoTruck wird Metall- und Elektro ganz konkret: Moderne Maschinen zum Ausprobieren und viele Infos über einen 3D-Monitor

Der InfoTruck des Arbeitgeberverbandes der Eisen- und Metallindustrie
Emscher-Lippe e. V., informiert in Gelsenkirchen über die Ausbildungsmöglichkeiten und
Berufschancen in einem der größten Industriezweige in Deutschland.

Am 05.11.2020 und am 06.11.2020 nahmen interessierte Schülerinnen und Schüler, in Kleingruppen und unter Einhaltung eines Hygienekonzeptes, das Angebot wahr, sich im InfoTruck auf zwei Etagen über Berufe der Metall- und Elektrobranche zu informieren.
Über einen 3D-Monitor wurde den Schülerinnen und Schülern ein Kurzfilm präsentiert, in dem Produktionsvorgänge der M+E-Industrie veranschaulicht werden. Im unteren Bereich des InfoTrucks hatten die Schülerinnen und Schüler im Anschluss die Möglichkeit, moderne Maschinen auszuprobieren.
Mit einer CNC-Fräsmaschine fertigten sie unter anderem kleine Werkstücke an.

Am Elektro-Arbeitsplatz konnte sich mit diversen Elektromodulen ein erstes Grundverständnis für die Elektrotechnik eingeholt werden und mit einem Pneumatik-Modell sollten die Schülerinnen und Schüler mit einem Druckluftarm per Einzelschrittsteuerung ein Werkstück auf ein Fließband umsetzen.
Neben vielen weiteren, spannenden Stationen zum Ausprobieren, gibt es im InfoTruck eine große Auswahl an Broschüren und Flyern, die über die Ausbildungsberufe der Metall- und Elektroindustrie informieren und zum Mitnehmen bereitliegen.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler sich im InfoTruck erste Eindrücke verschafft haben, öffnete das Unternehmen „GAFÖG Arbeitsförderungsgesellschaft -gemeinnützige GmbH-“ seine Türen und zeigte die Ausbildungswerkstätten der Metall- und Elektroberufe.
Durch die Führung durch das Unternehmen und einen Einblick in die Ausbildungswerkstätten, erhielten die Schülerinnen und Schüler einen ergänzenden, praktischen Einblick in die Berufe der Metall- und Elektroindustrie.

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Eltern,

mit diesem Interview wollen wir eine weitere Entscheidungshilfe in der Studien- und Berufsorientierung bieten. Hierzu haben wir wieder eine Expertin befragt. Mariele ist 23 Jahre alt und studiert im vierten Semester Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln.

Wann wusstest Du, dass bzw. was Du studieren willst?

Nach meinem Abitur bin ich erstmal für ein Jahr lang ins Ausland gegangen. Mein Plan war es hinterher anzufangen zu studieren. Nur was, das wusste ich damals noch nicht. Nachdem ich wieder in Köln war, fing ich an, mich über das Jurastudium online zu informieren und probeweise in vereinzelte Erstsemestervorlesungen reinzuschnuppern. Schnell merkte ich, dass mich der Inhalt sehr interessierte und schrieb mich letztlich für diesen Studiengang ein.

Hast Du während des Studiums die Fächer gewechselt?

Ja. Anfangs war ich mir noch nicht zu 100 % sicher, was wohl der richtige Studiengang für mich wäre und ich fing erst einmal an, Sozialwissenschaften zu studieren. Schnell musste ich allerdings feststellen, dass der Studiengang nicht das Richtige für mich war und ich fing an, mich für das Jurastudium zu interessieren.

Warum hast Du Dich genau für diese Uni entschieden?

Ich komme ursprünglich aus Köln. Anfänglich hatte ich zwar immer vor, später einmal in einer anderen Stadt zu studieren, aber die Universität zu Köln zählt zu einer der besten Unis für das Jurastudium. Insbesondere der Schwerpunktbereich ist an der Kölner Uni sehr umfangreich im Vergleich zu anderen Universitäten. Außerdem bietet die Fakultät ein eigenes Repetitorium an und bringt, in Relation zu ihrer Größe, eine auffällig hohe Zahl an Doktoranden hervor.

Wie ist Dein Studium aufgebaut?

Das Jurastudium lässt sich grob in drei Teile einteilen: Dem Grundstudium (auch Zwischenprüfung genannt), dem Hauptstudium und dem Repetitorium. Das Grundstudium dauert vier Semester und besteht aus 15 Klausuren und 2 Hausarbeiten. Das anschließende Hauptstudium ist nochmal vier Semester lang und beinhaltet das Pflichtfach, die Examensvorbereitung und evtl. den Schwerpunkt mit anschließender Prüfung. Einige Studierende entscheiden sich dazu, den Schwerpunkt erst nach dem ersten Examen zu wählen. Das ist aber letztlich jedem selbst überlassen. Wenn man in der Regelstudienzeit studiert, macht man im neunten Semester schließlich sein erstes Staatsexamen, welches aus 6 Klausuren und einer mündlichen Prüfung besteht. In seiner Studienzeit muss man zusätzlich noch zwei Pflichtpraktika für jeweils sechs Wochen machen, sowie einen Fremdsprachennachweis aufweisen können.

Was sind typische Arbeitsabläufe in Deinem Studium?

Das Studium besteht in den ersten vier Semestern hauptsächlich aus Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften. In diesen sitzt man pro Fach in einer Gruppe von ca. 15 Personen und einem AG-Leiter einmal pro Woche zusammen und erarbeitet sich den Vorlesungsstoff anhand von Fällen. Die AGs sind deshalb sehr beliebt, da die Vorlesungen durchaus sehr trocken sein können und die praktische Anwendung von den Professoren meistens nicht erklärt wird.

Wie sind die Berufsaussichten in Deinem Studienbereich?

Mit einer erfolgreich abgeschlossenen juristischen Ausbildung ist man beruflich ziemlich breit aufgestellt. Juristen werden in fast allen beruflichen Bereichen gebraucht und man hat eine große Auswahl: Diese reicht vom Richter bis zum Notar, aber auch Jobs bei Wirtschaftsprüfern sind möglich. Natürlich spielen die Examensnoten dabei eine entscheidende Rolle. Aber auch ohne Prädikatsexamen bieten sich einem noch Einsatzgebiete. Besonders gut aufgestellt ist man letztlich mit einem Schwerpunktbereich, der generell gefragt ist. Dazu zählen z.B. das Versicherungsrecht, sowie das Steuer- und Immobilienrecht.

Wie kannst Du das Leben an der Uni beschreiben?

Die Universität zu Köln zählt zu einer der größten Universitäten deutschlandweit. Auch das Jurastudium gehört zu den sog. „Massenstudiengängen“. Es kann gut vorkommen, dass man sich in einer Vorlesung den Raum mal mit knapp 400 Personen teilen muss. Da kann man durchaus ab und an das Gefühl bekommen, in der Masse unterzugehen. Um so wichtiger sind daher die AGs, in denen man nochmal die Möglichkeit bekommt, dem AG-Leiter persönlich Fragen zu stellen und in einer kleinen Gruppe gemeinsam den Inhalt der Vorlesungen zu erarbeiten.

Welche Fähigkeiten braucht es für ein erfolgreiches Studium?

Jura ist grundsätzlich ein Fleißfach. Um das Pauken kommt man im Studium leider nicht herum und man braucht einen gewissen Willen, um sein gestecktes Ziel auch erreichen zu können. Insgesamt ist aber eine gute Argumentationsfähigkeit von großem Vorteil. Die Rechtswissenschaft besteht letztendlich aus logischem Denken: Im Studium erlernt man analytische Fähigkeiten, die es einem erlauben, auch komplexe Sachverhalte schnell in ihre Bestandteile zu zerlegen und einen Überblick zu gewinnen. Diese abstrakten Denkstrukturen erleichtern einem das Auffinden von Problemen und ihren Lösungen ungemein.

Was rätst Du angehenden Studierenden?

Vor allem: Langsam angehen! Die meisten Erstis machen den großen Fehler, dass sie sich viel zu viel Wissen auf einmal aneignen wollen. Für Juristen gibt es eine unfassbare Fülle an Literatur. Insbesondere im ersten Semester sollte man sich von Kommentaren oder Lehrbüchern fernhalten. Diese sind vom Inhalt her sehr umfangreich und verleiten viele dazu zu denken, sie müssten deren gesamten Inhalt kennen. Grundsätzlich sind aber die Materialien, die einem in den Vorlesungen und AGs angeboten werden, völlig ausreichend. Es ist natürlich nicht verwerflich, ab und an auch mal in die Bib zu gehen und sich das Thema, das zuvor in der Vorlesung besprochen wurde, noch einmal in einem Lehrbuch durchzulesen. Man sollte aber unbedingt vom Kauf dieser Bücher absehen, da diese sehr teuer sind und inhaltlich, wie bereits gesagt, viel zu komplex sind.

Wo können sich angehende Studierende informieren?

Vor jedem Semesterbeginn wird ein sog. Infotag angeboten, für den man sich anmelden kann. An diesem hört man sich mit einer Mitarbeiterin/ einem Mitarbeiter der Fakultät vereinzelte Vorlesungen an und der Aufbau und Inhalt des Studiums wird einem nochmals umfassend erklärt. Ich persönlich habe den Infotag damals auch besucht und kann ihn jedem Interessierten nur empfehlen.